CSD vom Ursprung bis heute
 
Heute ist der CSD für die meisten Heten, aber auch sehr viele Lesben und Schwule der neueren Generation, nicht mehr als ein großes Straßenfest mit Paraden, Musik und jeder Menge nackter Haut. Die Veranstalter betonen immer wieder, dass die großen Umzüge mehr als das sind und immer noch politische Ziele verfolgen: Anerkennung und Gleichstellung Homosexueller vor dem Gesetz und rechtlichen Schutz. Fast kaum eine junge Lesbe oder junger Schwuler weiß heute mehr, wie es zum CSD kam und woran er erinnert.
 
CSD steht als Abkürzung für Christopher-Street-Day. Damit wird einer Schwulenkneipe in New York Rechnung getragen, die in eben dieser Straße liegt, in einer der miesesten Ecken New Yorks zusammen mit Striplokalen und Bordellen für Heten. Schon immer waren Schwule und Transsexuelle (auch damals wurden Lesben fast nicht wahrgenommen) ein beliebtes Ziel polizeilicher Gewalt. Regelmäßig wurden im Stonewall Inn Razzien durchgeführt und die erwischten Personen auf die Polizeistation eskortiert. Nicht selten kam es dabei zu Prügeleien zwischen der Polizei und jungen Schwulen, die Stolz zu ihrer geschlechtlichen Identität standen. Am 27.06.1969 hatte die Polizei wieder einmal beschlossen eine Razzia im Stonewall Inn zu machen. Dieses Mal jedoch bekamen die Schwulen und Transvestiten Wind von der Sache und verbarrikadierten sich in der Kneipe. Als die Polizeisirenen sich näherten herrschte eine seltsame Stille in der Straße. Die ankommende Polizei versuchte die Kneipe zu stürmen, rennt aber gegen im wahrsten Sinne des Wortes verschlossene Türen. Im Inneren der Kneipe entsteht ein Tumult und als die Polizei die Fenster einschlägt ist es endgültig zu spät für eine friedliche Lösung. Immer mehr setzt sich der Gedanke durch "Wir nehmen es nicht mehr hin, wie wir behandelt werden, ab jetzt wehren wir uns!". Es kommt zu Schlägereien, die bereits Verhafteten werden von einer Menge wild gewordener Männer aus den Polizeiwagen befreit und die Polizisten immer mehr in die Defensive gedrängt. Die Situation eskaliert soweit, dass jemand von einer Laterne ruft: "Räuchert sie aus!" und ein Benzinkanister herangeschleppt wird. Durch die eingeschlagenen Fenster kippen die Schwulen Benzin in die Kneipe und setzen sie in Brand. Erst durch das harte Eingreifen, der herbeigerufenen polizeilichen Unterstützung zerstreut sich die Masse und die Polizisten werden aus der brennenden Kneipe gerettet. Nachdem sich die Nachricht der Auflehnung über das ganze Land verbreitet hat, kommt es zu weiteren Krawallen in anderen Homosexuellen Hochburgen wie San Francisco und Los Angeles. Danach ergreift die neue Bewegung auch den Rest der Welt. In Amsterdam, Berlin, Sydney, Oslo und anderen großen Städten setzen sich Homosexuelle zur Wehr.
 
Bereits ein Jahr nach dem Aufstand im Stonewall Inn wird am Jahrestag eine Parade in New York und San Francisco abgehalten. Tausender junger Schwuler und Lesben (obwohl noch deutlich in der Minderzahl) finden sich ein um an den denkwürdigen Tag zu erinnern. Über die Jahre hinweg wurde der CSD immer mehr zu einer Art Karneval für Homosexuelle, das politische dahinter geriet mehr und mehr in Vergessenheit. Auch wenn inzwischen die weite Präsenz von Homosexuellen durch den CSD gestiegen ist, findet das Politische nur einen kleinen Raum. Nur zur immer globaler werdenden Vernetzung von Homosexuellen Vereinen trägt der CSD entschieden bei. Inzwischen gibt es nicht nur die einfachen CSD-Paraden, sondern auch den "Europride", der jährlich in verschiedenen Ländern stattfindet.
 
Weitere Informationen und eine Liste mit Terminen der nächsten CSD's in eurer Nähe findet ihr unter Gay-Web und bei Queer.

Letzte Änderung am 05.01.2007. Bei Problemen und Fehlern bitte Mitteilung an Webmaster.